Von Aromen, Verblistern und geheimnisvollen Salben

Es kann durchaus sein, dass jemand  bis zum Öffnen der Automatiktür der Apotheke am Stadtgarten noch in mieser und übler Laune ist. Doch das ändert sich sehr schnell, denn wenn  in dieser Apotheke eines ansteckt, dann ist es die gute Laune und Freundlichkeit des Apothekenteams. Das Gefühl von ‚Willkommen-Sein‘ hält an und das nicht nur, weil es dem Geschäft per sé zuträglich ist.

Esther Beckmann selbst scheint zu den Menschen zu gehören, die erst einmal grundständig „guten Sinn“ haben, wie die Niederrheiner zu sagen pflegen. Und das ist ein Markenzeichen, wie sie in ihrer kurzen Begrüßung betont: „Freundlichkeit ist sowieso in unserem Team eine Selbstverständlichkeit –neben einer hohen Professionalität und Orientierung auf unsere  Kundschaft. Wir sind ein 12-köpfiges Team, 3 approbierte Apothekerinnen,  4 Pharmazeutisch-Technische  Assistentinnen (PTA’s), 3 Pharmazeutisch-Kaufmännische Assistentinnen (PKA’s) sowie unsere – auch sehr wichtig-  versierte Reinigungskraft und unser Arzneimittel-Fahrer. Alle Fachfrauen haben zusätzlich noch ein Spezialgebiet und das macht letztendlich die Qualität unserer Dienstleistungen aus. Allein 2 Mitarbeiterinnen sind ausgewiesene Pflegemittelberaterinnen, eine Apothekerin ist ausgebildete Homöopathin, wir sind 2 Aromatherapeutinnen und hier arbeiten PTA’s, die gleichzeitig ausgebildete Kosmetikerinnen  sind.  Ja, mein Team ist einfach gut! “

Für dieses tolle Team gab es gleich zu Beginn als Gastgeschenk eine Cake&More-Supertorte von unserer Mitgliedsfrau Ute Kosmell. Wer genau auf das Foto schaut, erkennt den (essbaren) Äskulapstab mit der Schlange.

15 ufn-Mitgliedsfrauen hatten sich zu diesem Jour fixe angemeldet und zusammen mit einigen der Mitarbeiterinnen herrschte für einen kurzen Moment drangvolles Gewusel im hinteren Apothekenbereich, bis  Esther Beckmann begann, das System Apotheke zu erklären:

„Wir stehen jetzt hier in dem Bereich, in dem die Arbeit getan wird, die nicht unmittelbar mit der Beratungs- und Verkaufstätigkeit zu tun hat. Für den Betrieb einer Apotheke gibt es viele Bestimmungen, Gesetze  und Vorschriften. So ist z.B. die Anzahl und Nutzung der Räume einer Apotheke vorgegeben. „110m² müssen die Räume mindestens aufweisen,  eine  Apotheke soll mindestens aus einer Offizin, also einem öffentlichen Verkaufs- und Beratungsbereich, einem Laboratorium, ausreichendem Lagerraum und einem Nachtdienstzimmer bestehen. Und wir Apothekerinnen und Apotheker sind auf Anwesenheit und nicht nur auf Rufbereitschaft verpflichtet. Sie sehen hier eine Schlafgelegenheit, Fernsehen und was man sonst noch braucht, um einen nächtlichen Notdienst zu versehen. Wir machen übrigens jährlich immer noch 26 – 30 Notdienste.  Es sind ständig 13.500 Artikel am Lager, unsere Lieferfähigkeit liegt bei  86.5 %, unsere Apotheke ist  60 Stunden in der Woche geöffnet. Für eine Apotheke in einer doch eher kleinen Stadt ist das nicht so schlecht. Hier sind übrigens das Labor für die Arznei- und Salbenherstellung, unser Bürobereich und der Raum für die Verblisterung. “

Das dicke Fragezeichen auf unserer Stirn:   Was ist Verblisterung? löst  Ruth Schau, PTA und kompetente Fachfrau auf: „Arzneimittel verblistern  heißt, dass die Medikamente individuell für die Patientin oder den Patienten neu abgepackt werden und zwar genau in der Dosis, wie sie vom behandelnden Arzt festgelegt wurde.“  Zur Demonstration  zieht Ruth Schau eine Serie mit Tabletten abgepackter, beschrifteter Tütchen aus einer Maschine, auf deren Display eine Menge Daten zu erkennen sind. „Der Vorteil liegt auf der Hand, wenn wir das Verblistern als Apotheke übernehmen, denn wir müssen- im Gegensatz zu großen Abnehmern-  nicht mit Großpackungen  hantieren, sondern liefern exakt nach Bedarf. Kommen Patienten z.B. ins Krankenhaus, können wir die Medikamentenversorgung sofort stoppen und sofort wieder neu aufsetzen, wenn die Krankenhauszeit vorüber ist. Die Pflegefachkräfte  in  Altenheimen und Krankenhäusern müssen nicht mühselig für jeden Tag und jede Person die Pillen abzählen, sondern können auf die einzeln abgepackten Rationen  zurückgreifen. Das spart Zeit und Geld. Die Rezepte kommen zu uns, wir dokumentieren genauestens die Medikation und lassen die Rationen  von einer Spezial-Firma  blistern, weil es mittlerweile für uns hier zu zeitaufwändig ist. Dieses Medikamenten-Management bieten wir auch für die ambulante Pflege und  Privatpersonen bzw. pflegende Angehörige an. Gerade bei  Demenzpatientinnen und-patienten ist es eine enorme Unterstützung.“

PTA Svenja Roeloffzen steht derweil  im Labor und demonstriert einer kleinen Gruppe die überaus peniblen und langwierigen Prüfverfahren, die sie einhalten muss, wenn sie eine Salbe, Creme, oder Paste im Labor anfertigt. Sie muss genauesten Protokoll über Dosierung, Anwendung, und Ausgangsstoffe, also den kompletten Herstellungprozess führen- eine Prozedur, die in keinem Verhältnis zum Preis steht, den die Kassen vergüten, wie Esther Beckmann anmerkt und: „Die Apotheken werden regelmässig überprüft von einem Amtsapotheker. Die Überprüfungen passieren regelmässig und unser zuständiger Amtsapotheker prüft genau. Da werden solche Protokolle, Einkaufslisten, Bestände, Hygiene und Absaugvorrichtung im Labor genau unter die Lupe genommen.”

Aber auch dieses  Angebot behalten wir bei – wir wollen einfach, dass unsere Kundinnen und Kunden genau an solchen Stellen den Qualitätsunterschied zur Internet-Apotheke nachvollziehen können,“ meint Esther Beckmann. „Wir haben mit Elke Kock eine kompetente Qualitätsmanagerin, sind zertifizierte Apotheke  und versuchen natürlich, immer noch besser zu werden, so haben wir z.B. intern ein „Ampelsystem“ eingeführt, das regelt, wer wann für den Offizinbereich primär zuständig ist -so können die anderen beruhigt ihren anderen  Arbeiten nachgehen, ohne ständig nach vorne zu müssen – ich finde, das ist ein tolles System. Wir geben unseren Kundinnen und Kunden auch unsere inviduellen Visitenkarten- das macht bei bestimmten Fragestellungen die direkte Ansprache leicht und schafft Vertrauen.“

Währenddessen herrschte vorne in der Apotheke bereits rege Betriebsamkeit. Kein Wunder, denn dort finden sich verführerisch präsentiert und zum Ausprobieren einladend die feinsten Aromen, Duftstoffe, Parfums, Seifen, Cremes, Badeöle und –zusätze,  sowie exotischen Salze. Wer wollte, durfte sich sein eigenes Salz zusammenstellen.  Überall würde gesprüht und aufgetupft, geschnuppert und gecremt und – natürlich gekauft. Frau bleibt eben Frau!!

Es gab aber noch eine wichtige Amtshandlung an diesem Abend: Die Übergabe der Spendengelder aus der diesjährigen FrauenFilmNacht: Dr. Elke Kleuren-Schrijvers und Heike Waldor-Schäfer von Pro Humanität und Sabine Ganser von der Netzgruppe Kleve e.V  waren nach Rees gekommen, um das Geld in Empfang zu nehmen. Die FrauenFilmNacht hat in diesem Jahr insgesamt  5.000 Euro an Spenden eingebracht. Nun gehen je €uro 2.500 an die beiden Vereine. Damit fördern die unternehmerinnen einmal ein Mikrokredit-Projekt für Frauen im Niger und zu anderen an die Netzgruppe Kleve, die für junge Frauen mit ihren Kindern umfassende Unterstützung anbieten.
Gabriele Coché-Schüer

 

wie sich die Zeiten ändern…

Apotheker müssen lesen können

Die Aufgaben und Verhaltensweisen der Apotheker wurden seit dem Mittelalter in Medizinalordnungen geregelt. So durften Apotheker ihren Beruf nur ausüben, wenn sie den Nachweis erbrachten, dass sie Rezepte lesen konnten. Früher absolvierte der Apotheker nur eine praktische Ausbildung, vergleichbar mit der heutigen Ausbildungszeit. Erst später wurden das Einjährige und ein pharmazeutisches Studium eingeführt. Besonders genau regelte die Lippische Medizinalordnung von 1789 die Aufgaben der Apotheker: „Sie sollten sich auch eines ordentlichen und moralischen Lebenswandels befleißigen, sich vor Trunkenheit und anderen sittlichen Fehlern hüten, Tag und Nacht willig und bereit seyn, Arzeneyen wegzugeben, oder die eingeschickten Rezepte zu fertigen, sich des Aushorchens und Fragen nach den Umständen und Zufällen der Kranken enthalten, alle eckelhaften, unreinen Gewohnheiten beim Receptieren z. E. das Kauen der Stöpsel, das Anhauchen der Pillen, das Ausstreichen der Gefäße mit den Fingern etc. vermeiden“.

Quelle: http://www.amtsapotheker.de/10jahre/

Fotos: Marjolein van der May