„Und es war Sommer“…

Ein Nachmittag auf dem  Neuhollandshof mit Thea und Leslie Clostermann

Die Geschichte des Neuhollandshof ist geprägt und verbunden mit der Familie, die ihn seit Jahrhunderten bewohnt. Schon im Jahr 1300 finden sich erste Belege, dass es hier an diesem Ort bereits ein Gehöft gab.

Zur „näheren Familiengeschichte“, so erzählt uns Thea, blicken wir in die Jahre ab 1867 zurück. Mit der Gründung durch die Geschwister Berta und Heinrich Holland. Bertas Sohn August bringt schließlich 1927 von einer Reise nach England erste Erkenntnisse modernen Obstbaus an den Niederrhein. Seine Tochter Dorothee heiratet Anfang der 1950er-Jahre den Landwirt Gerd Clostermann. Gemeinsam führen sie den Betrieb fort und eröffnen einen der ersten Hofläden in der Region.

Zwischenzeitlich wurde ein neuer, zweiter Hof für die größer gewordene Familie gebaut; der Neuhollandshof, der seit 1980 von Sohn Rolf mit seiner Frau Thea bewirtschaftet wurde, die sich -für diese Zeit noch sehr aussergewöhnlich und daher eher argwöhnisch betrachtet- dem  biologisch-dynamischen Obstanbau auf ganzer Fläche widmeten. Eine echte Pionierleistung. So werden 1982 alle Flächen auf Demeter-Anbau umgestellt und zertifiziert; zu einer Zeit, in der ökologischer Landbau noch in den Anfängen ist.  Rolf Clostermann ist damit einer der ersten Obstbauern in Europa, der davon überzeugt ist: Obstbau OHNE chemisch-synthetische Spritzmittel ist zukunftsfähig!

Es folgen Forschung, Naturschutzfragen, Diversitätserweiterungen und Förderungen der Artenvielfalt. Auch Demeter-Bienen sind schon damals wesentlicher Teil des ganzheitlichen Ökosystems und stellen sicher, dass die rund 30 Apfelsorten der Plantagen im Frühjahr bestäubt werden

Heute

Heute ist der Neuhollandshof ein Ort, an dem sich Menschen begegnen: offen und unbeschwert. Hier auf dem Hof sind der Obstanbau und Kulturarbeit eine Einheit, die – und das ist spürbar – jeden Tag das Leben der Familie bereichert und sie in ihrer Arbeit beflügelt. Führungen durch die Obstplantagen und Veranstaltungen im  Kulturforum bieten einen Begegnungsort, schaffen Transparenz und informieren über den ökologischen Anbau.

Die fünfte Generation

Leslie Clostermann, frisch verheiratet, ist die nächste Generation auf dem Neuhollandshof. Sie wird die  Vermarktung der Hollandhof-Produkte und Kulturangebote mit eigenen Ideen weiter entwickeln und damit die Zukunft des Unternehmens sichern. Aus dem Studium bringt sie vielfältige Erfahrungen rund um das Thema Design und Marketing mit. Darüber hinaus hat sie das erste Jahr als „Lehrjahr“ genutzt, und auf anderen Höfen erfahren, welche Strategien diese entwickeln, um mit der neuen Zeit zu gehen. Wir dürfen gespannt sein, welche Entwicklungen sich durch ihr Engagement zeigen, denn Pioniergeist, Innovationsfreude und die Liebe zur Natur liegen ihr im Blut.

Das Idyll

Thea und Leslie empfingen uns seitlich des Kräutergartens mit einem Glas alkoholfreier Apfelsekt „Appléritif”. Eine gute Gelegenheit, Leslie von Herzen zu Ihrem „JA!“ zu gratulieren. Die Frischvermählte strahlt so glücklich!

Dann ging es zu einem Spaziergang in die Plantage und zwischen den Blühstreifen. Wir staunten nicht schlecht über die vielen verschiedenen Apfelsorten. Wir hörten von Zieräpfeln, die eher den Bienenvölkern dienen, die im „7-Stern“ angeordnet werden. Die Bio-Äpfel werden zu Apfelsaft, Apfelkraut und Apfel-Secco verarbeitet und im Hofladen verkauft. auch hier bekommt der online-Verkauf mittlerweile eine immer größere Bedeutung.

  Wir hatten Glück; die Sonne lachte und da macht es in der Natur doppelt so viel Freude.

Corinna Bröcker erwartete uns im Rondell alter Baum-Bänke. Die Yogalehrerin bietet als Kooperationspartnerin des Hofes Yogaübungen in der Natur an. Natürlich wollten wir das ausprobieren und so hat sie uns eine 20-minütige Entspannungszeit geschenkt. Den Körper wahrzunehmen, den eigenen Stand im Leben zu überprüfen, Kraft zu tanken…wir haben es genossen.

Dann ging es in den idyllischen Garten, wo der Tisch bereits gedeckt war. Ganz romantisch ging es zu Apfel- und Pflaumenkuchen über- natürlich mit einer großen Portion Sahne. So ein herrlichen Kaffeeklatsch hatten wir alle so lange vermisst. Junge Mitgliedsfrauen und die bereits „Etablierten“ haben die Gelegenheit genutzt, sich persönlich noch besser kennen zu lernen.

Spürbar waren in diesem „Immenhof-Idyll“ auch die Werte, für die die Familie steht: Nachhaltigkeit, ein guter Umgang mit der Natur in der Wertschöpfungskette.

Werte, die heute wichtiger denn je sind. Damit war der Neuhollandshof jahrelang in der Region Vorreiter. Leslie fällt die Herausforderung zu, jetzt die neue Zukunft zu gestalten.

Nach einem Jahr voller Beschränkungen weiß man solche kleinen Alltagsjuwelen selbst unter GGG-Regeln in vollen Zügen zu genießen!

Herzlichen Dank an Thea und Leslie und alle im Team Clostermann, die im Hintergrund auch für uns aktiv geworden sind!

 

Text:Barbara Baratie
Fotos: Maro Fotodesign