Zukunft neu denken!
Unternehmerinnentag 23. September 2021 in Kevelaer

Vorsichtiger Optimismus gepaart mit großer Lust, nach vielen Monaten in der erzwungenen Isolation endlich wieder etwas mit „echtem“ Publikum zu organisieren. Okay, aber dann unbedingt mit Plan B in der Schublade, damit im worst case nicht alles an tollen Ideen und Impulsen verlorengeht. So und ähnlich war die Gefühlslage zu Beginn der Planungen für diesen Tag. Mit dem Glück, von vielen Seiten unterstützt und gefördert zu werden, gab es den nötigen Energieschub für das Vorhaben, einen Zukunftstag für Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte aus der Region zu veranstalten.

Einen ganzen Tag über Zukunft nachdenken und reden! Wozu?

„Neues Denken in die Zukunft ist alternativlos!“ so Barbara Baratie in ihrer Begrüßung, „Nachdem wir jetzt fast anderthalb Jahre mit den Wirkungen von Covid-19 umgehen müssen, wissen wir, dass wir so nicht weiter machen können. Wir müssen jetzt über unsere Zukunft nachdenken und uns entscheiden, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen. Hinter der Tagungsidee liegt die Überlegung, was zukünftig nötig ist, um selbständige Unternehmerinnen und weibliche Führungskräften zu „empowern“? Und vor allen Dingen: Wie können Chancen und Herausforderungen aus Krisenzeiten wie dieser positiv genutzt werden? Hier scheint ein erhebliches Potenzial in lokalen bzw. regionalen Aktvitäten und Unternehmungen vorhanden zu sein. Die Tagung soll das Bewusstsein dafür stärken, dass sich nach einer solchen Krisenzeit die Dinge neu ordnen, es aber durchaus Chancen dafür gibt, hier selbst aktiv mitzugestalten.“

Deshalb ein ganzer Tag für die Zukunft.

Trendpionierinnen und –pioniere sollten uns und unsere Gäste dabei begleiten, für die eigenen Unternehmungen einmal mutig und unverstellt in die Zukunft zu blicken. Die zurückliegenden fast zwei Jahre haben die Wirtschaft, Arbeit, Gesellschaft und Umwelt weltweit verändert, kaum jemand, der nicht in irgendeiner Weise betroffen war. Viele Zukunftsfragen,  die seit Jahren darauf warten, forciert bearbeitet zu werden, haben durch die Pandemie einen enormen Handlungsdruck erfahren.  Aber Mega-Trendthemen wie weltweite Vernetzung durch Digitalisierung, nachhaltige Ressourcennutzung, neue Arbeits- und Lebenswelten  scheinen doch eher weit weg. Ist das nicht ein wenig zu groß für den Niederrhein? Nein- sie betreffen uns zukünftig alle unmittelbar.

Wie wollen wir zukünftig leben? Wie, mit wem und womit arbeiten?

Wie nähert man sich als Unternehmerin, als Freiberuflerin,  als Ärztin oder als Führungskraft am besten solchen neuen Voraussetzungen, wenn es darum geht, das eigene Unternehmen zukunftssicher zu machen?

Wie nah Innovation und Vision entwickelt und verwirklicht werden, erlebten die 60 TeilnehmerInnen in einer  begeisternden Präsentation der PlanWerkstatt aus Bedburg-Hau, die seit fast 30 Jahren weltweit spektakuläre Messe- und Produktpräsentationen realisieren. In ihrem Vortrag fächerten  Roland Walter und Ping Zhou anhand von zahlreichen Beispielen

die Megatrends der nächsten Dekaden auf. Sie gehen von 12 Megatrends aus, die unsere Zukunft bestimmen werden. Kein Bereich ist hier ausgenommen. Die anstehenden Fragen zu Globalisierung, Vernetzung, Mobilität, New Work, Wohnen und Leben, Ökologie, Wissenstransfer, aber auch Gesundheit und immer älter werdende Gesellschaften  werden zukünftig sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen ganz anders bewertet und beantwortet werden müssen.

Workshops-  natürlich sollte auch aktiv für das eigene Unternehmen gearbeitet werden

Nach diesem faszinierenden Blick von Roland Walter und Ping Zhou in die Zukunft hieß es: Von der Sicht auf das ganze Große der Blick auf das eigene Geschäft. Es sollte schließlich auch aktiv gearbeitet werden. Die Digitalisierung und ihre Chancen standen am Vormittag eindeutig im Vordergrund. Praktisch alle Teilnehmerinnen hatten in den vergangenen Monaten ihre ganz eigenen Erfahrungen mit der Pandemie und ihren Folgen gemacht -und ihre Konsequenzen daraus gezogen. Hotelbetriebe, Freizeitpark oder Einzelhandel haben die publikumsarme Zeit genutzt, um digital auf- oder umzurüsten.

 „Wir haben die besucherfreie Zeit genutzt und auf ein online-Ticket-System
umgestellt – und wir sind total glücklich damit“
Josi Winkels, Irrland Kevelaer

 

„Unser Angebot gab es ziemlich schnell online, wir haben es ständig aktualisiert
–Beratungservice inklusive- und es hat sich gelohnt“
Nina Kiesow; Kiesow seit 1850

 

Dr. Albert Thienel von den Unternehmensentwicklern und ausgewiesener Experte im Bereich Innovations- und Change-Management spielte anhand des  CANVAS-Business-Modells gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmerinnen die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsfelder durch.

„die Atmosphäre war offen und wertschätzend, alle waren neugierig“

Parallel hierzu ermutigte Sylvia Steenken, Innovationsberaterin und Franchise-Expertin, dazu, mit dem eigenen Produkt ganz bewusst eine Nische zu besetzen. Den Workshopteilnehmerinnen, die aus ganz vielen unterschiedlichen Geschäftsfeldern kamen, zeigte sie, warum heute eine Spezialisierung immer wichtiger wird und wie es gelingt, die eigene  Expertise als herausragendes Alleinstellungsmerkmal für den Markt herauszuarbeiten.

„Machen Sie Ihr Nischenprodukt so einzigartig,
dass der Wettbewerb dagegen verblasst“

Interviewerinnen: Katja Meenen und Korinna Evers

Neue Kontakte knüpfen, sich miteinander bekannt machen, fachsimpeln. Auch das gehört zu Tagen wie diesen. Dass das immer gut funktioniert, sah man in der Mittagspause. Bei strahlendem Sonnenschein traf man sich im Garten des Bühnenhauses oder beim Essen- auch hier begleitet vom Filmteam Bernd de Graaf / Tim Tripp, das den ganzen Tag über die Veranstaltung  festhielt. Dazwischen Katja Meenen und Korinna Evers, die mit den Teilnehmerinnen kurze Interviews führten.

Dass durchgängig gefilmt wurde, war übrigens Teil des Plan B. Für den Fall, dass coronabedingt keine Veranstaltung hätte stattfinden können, wäre das Progamm gestreamt worden.

 

Ein weiteres Highlight nachmittags war der Vortrag von Melanie Vogel, die viele kennen werden als  Organisatorin der renommierten Women&Work-Messe, die seit vielen Jahren erst in Bonn verortet war und dann nach Frankfurt gewechselt ist. Die erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Unternehmerin und Buchautorin begleitet Unternehmen als Innovations- und Transformationscoach. Als Wirtschaftsphilosophin beschäftigt sie sich intensiv mit der Frage, ob Wirtschaft nicht ganz neu gedacht werden muss und ob es aus ganz naheliegenden Gründen (Ressourcenknappheit, Klimawandel, Wandel in Arbeit und Technik durch mehr Digitalisierung und künstliche Intelligenz uvm) nicht unbedingt einen Alternativentwurf zu  den heutigen linearen -und damit zwangsläufigen- Innovations- und Wachstumsprozessen braucht.

Am Beispiel der Metamorphose des Schmetterlings zeigt die Wirtschafts-Philosophin auf, was wir von den Zyklen der Natur lernen können, die auf Ihre Weise die Dramaturgie von Transformations- und Veränderungsprozessen zeigen. Immer wieder gibt es spannende Diskussions- und Redebeiträge aus dem Publikum.

„Muss man in Zukunft nicht eher an der Qualität einer Volkswirtschaft
arbeiten
als an deren ständigen Wachstum?“
Der Wandel ist bereits in vollem Gange. Für viele junge Menschen ist heute schon Geld
und eine makellose
Karriere nicht das Maß aller Dinge.
Sie wollen in ihrem Leben Arbeiten und Privates nachhaltig in Einklang bringen.

 

An so einem Tag muss es aber auch unbedingt etwas zur persönlichen Entspannung und Entschleunigung geben.

Maria Klier, Dipl.Sängerin, Dipl. Gesangs- und Entspannungspädagogin, Dozentin der Erwachsenenbildung bot in ihrem Workshop eine Auszeit, und gab den Teilnehmerinnen einen „Erste-Hilfe-Kit“ an die Hand, um im Berufsalltag immer wieder Kraft zu tanken, Stress abzubauen und den Kopf wieder frei zu bekommen.

Auf dem Weg in den Kursraum war zu hören  „Wo ist der Kurs ‚Stressabbau und Resilienz stärken‘? Das kann ich jetzt wirklich gut gebrauchen“. „Ich glaube, das ist jetzt genau das Richtige für mich“. Zwei Stunden weiter zum Ende des Workshops war das Resultat wirklich verblüffend: Entspannung pur!

„Ich habe mich echt auf den Tag gefreut
und es war ein gelungener Tag.
Ich nehme viele neue Impulse mit.“

 

Raus aus dem Krisenmodus. Rein in neues Denken und Handeln. Jetzt.

Ganz entscheidend für eine starke zukunftsorientierte Region sind die Kompetenzen und Potenziale, die in den Unternehmen vorhanden sind und – ganz wichtig – gerade in Krisenzeiten abgerufen werden können. Das gilt natürlich auch für die von Frauen geführten Unternehmungen und Betriebe in den ländlichen Kreisen Kleve und Wesel. „Wir müssen viel öfter selbstbewusst sagen, dass es die kleinen und mittelständischen Unternehmen und Betriebe sind, die sich besonders in Krisen als verlässlich, flexibel,  anpassungsfähig und damit in hohen Maße zukunftsfest zeigen, sagte eine Teilnehmerin in der Feedbackrunde, die Barbara Baratie moderierte. Mehrfach kam die Rückmeldung, dass eine sehr angenehme Atmosphäre in den Gesprächen und Arbeitskreisen vorgeherrscht habe. Auch die hohe Qualität der ReferentInnen wurde angesprochen. „So ein Tag weg vom Alltag bringt neue Ideen.“ „Ich habe viele gute Gespräche geführt und neue Kontakte geknüpft.“

Für Barbara Baratie war es noch einmal eine Gelegenheit, die Idee des Tages hervorzuheben: „Als wir die Köpfe zusammensteckten, um erste Ideen für einen Zukunftstag  zu sammeln, war uns wichtig, etwas dazu beizutragen, dass unsere Unternehmerinnen und Managerinnen in der Region für schwierige Zeiten rüstet, stärker macht und miteinander noch mehr vernetzt. Ich wäre glücklich, wenn das heute ein Stück weit gelungen ist.“

Der Zukunftskongress konnte nur in der Form geplant und durchgeführt werden, weil wir über das Landesprogramm „L.e.i.l.a.“ eine Projektförderung  aus dem Regionalbudget 2021 der LEADER-Region Leistende Landschaft e.V. mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) erhalten haben. Besonderer Dank geht hier an die  L.e.i.l.a. -Geschäftsführerin Ute Neu und der Regionalmanagerin Anne van Rennings sowie den Wirtschaftsförderungen der Städte Geldern, Straelen, Nettetal und insbesondere Kevelaer. Und ein weiteres Mal konnten wir uns jederzeit auf die professionelle, kooperative und freundliche Unterstützung des Bühnenhaus-Managements verlassen. Zum Schluss geht auch noch ein dickes Dankeschön an die beiden Auszubildenen der „Paeßens Zahnwelten“, die uns morgens bei der Registrierung und Überprüfung der Covid-19-Regeln unterstützt haben.
Text Gabriele Coché-Schüer
Fotos Rose Benninghoff